VORWORT

„Wenn ich alle Erinnerungen an einer Wäscheleine aufhängen würde, dann wäre diese nicht nur endlich lang, sie wäre auch extrem bunt.“

Mich haben so viele Nachrichten von Euch erreicht und ich habe mir gerade im Bett meinen Laptop geschnappt und alles gelesen. Ihr habt mich ein bisschen aufgebaut und das tat gut.

Auch in meinem Leben ist natürlich nicht immer alles schön. Gestern war einer dieses „schwarzen Wäscheleine“ Tage.

„Dein Lohn bzw Ziel: Der „Bachelor of Arts“ so stand es auf der Gratulanten Karte, die ich gestern von meiner Mutter überreicht bekommen habe.

4 Jahre lang habe ich geackert um Studium und Selbständigkeit unter einen Hut zu bekommen und vereinbaren zu können. 4 Jahre mit einigen schlaflosen Nächten, Stress und immer Druck alles zu meistern.

Wer mich kennt weiß, dass ich mich in alles was ich mache zu 110% reinhänge und mit Mittelmaß noch nie so wirklich zufrieden war.

So bin ich eben.

DIE VORARBEIT

Und so war es auch in der Prüfungsvorbereitungszeit.

Ich habe Kundenaufträge auf Eis gelegt bin viel unterwegs gewesen (ihr Erinnert euch bestimmt an Andalusien und z.B. auch Mallorca) wollte mir meine „Meisterleistung“ zum Abschluss des Studiums erarbeiten.

Für die, die es nicht Wissen eine BA zählt zum Gesamtteil hinterher nur 12 Credit Points dazu ist also nur ein kleiner Teil des Ganzen und trotzdem war es mir alleine wegen meinem Thema wichtig besonders gut zu sein.

„Frauen und Pferde“ zogen sich eh schon wie ein roter Faden durch meine 4 Studienjahre und ich habe während meinen Kursen immer wieder freie Projekte zu dem Thema umgesetzt und bewertet bekommen.

Meine Prüfung stand gestern 4 Wochen später als die der anderen Studenten an. (Ich hatte zwischendurch einen Autounfall und musste verschoben werden.) Das Gefühl war also eh schon komisch. Alle sind fertig, feiern und man selber steht in der FH und fühlt sich mehr oder weniger fehl am Platz.

MEINE PRÜFUNG

Erschrocken war vor allem mein Vater von den Räumlichkeiten bzw. der ganzen FH Düsseldorf. Ich sehe das gar nicht mehr so. War wohl zu oft da.

Diese zieht zum Glück auch gerade um. Das muss ich dazu erwähnen – dringend nötig ist es defitniv. Der Designbereich ist bis dato allerdings immer noch in Golzheim und damit im alten Gebäude.

Mein Raum, der mir zugeteilt wurde war leider auch eine Katastrophe. Ich war gestern Morgen zum Glück schon relativ früh da und habe die Zeit damit verbracht das Ganze ein wenig „festlicher“ und wenigstens dem Anlass entsprechend zu gestalten.

Es gab leere Bierflaschen, Teller aus der Mensa, halbabgerissene Vorhänge, einen klebrigen Boden, um damit mal einen kleinen Teil zu nennen.

Bei der Prüfung dabei waren: Marko, meine Eltern und noch Studentinnen, die gekommen waren um sich meinen Vortrag anzuhören und natürlich die Daumen zu drücken, dabei. DANKE DAFÜR!

Dieser ging ca. 30 Minuten danach wurden Gegenfragen von meinen Professoren gestellt. Man wird von zwei Professoren geprüft. Gestern war noch ein dritter aus Interesse am Thema dabei.

Nach der Präsentation und den Gegenfragen wird man dann rausgeschickt und muss auf die Bekanntgabe des Ergebnis waren. Mir kam es ewig vor.

Auf dem Flur vor der Tür haben mir alle versichert, dass ich gut war (Aussprache, Inhalt etc.). Das war doch schon mal gut zu hören.

Ich selber hatte gar kein Gefühl. War komplett auf Autopilot geschaltet in dem Moment.

DAS HABE ICH GEMACHT

Meine Präsentation: Vom Inhalt her ging darum wie das Pferd vom Fleischlieferanten zur Männerdomäne wurde. (Krieg, Ritter etc.)

Dann der Sprung zum „Lieblingstier“ von vor allem Frauen seit Mitte des 20 Jahrhunderts. Was Pferde für eine Faszination ausüben und warum.

Ich habe mich mit anderen Fotografen beschäftigt unter anderem Muybridge, Boiselle, Vavra und Schuller und dabei einen Vergleich von diesen zu meinen Arbeiten gezogen.

Insbesondere bin ich auf das Pferd in der Modefotografie aber auch in anderen Fotografischen Bereichen eingegangen.

Weitere Themen wurden auch kurz abgehandelt aber vor allem auch in der Thesis beschrieben. Man hat gesamt nur 20-30 Minuten zum Vortragen. Zumindest bei meinem Prof.

Begleitend drucken lassen habe ich ein Buch (Whitewall) in A3 mit meinen Arbeiten. Gerne blättere ich dieses in einem Video auch mal für Euch durch und stelle es vor.

Es gab Postkarten zum mitnehmen (Flyeralarm), sowie 120*80cm Drucke auf AluDibond (Zoomwork) mit einigen meiner schönsten Werke in meiner kleinen „Ausstellung“ zu sehen.

DAS ERGEBNIS

Wieder reingerufen ging es zurück in den Raum. Mein Bauch hat so gegribbelt. Gleich ist alles vorbei ich werde meinen lieben in die Arme fallen können. So der Gedanke.

Das Gegenteil war der Fall. Es gab die ersten Minuten ausschließlich Kritik von meinen Profs.Fängt man nicht eigentlich mit etwas positiven an?

Das gekribbel wurde zu einem Kloss im Bauch und ich musste mich erst einmal setzen.

Nach einiger Zeit habe ich dann einfach nach meiner Note gefragt, da ich schon meine Felle davon schwimmen sah konnte ich es nicht mehr abwarten.

Nach dem verkünden der Note bin ich in die Verteidigung, weil ich die Kritik vorher einfach nicht nachvollziehen konnte und so auch nicht auf mir sitzen lassen wollte.

Heute Morgen eine Nacht später kann ich es immer noch nicht nachvollziehen.

Meine Prüfung habe ich gestern damit gestern mit der schlechtesten Note abschlossen haben, die ich im ganzen Studium hatte. Die Note ist natürlich trotzdem nicht schlecht, aber nichts desto trotz fragwürdig. (zumindest in meinen Augen.)

Es ist halt einfach komisch in einem Fotografie Kurs (Thema ebenfalls Frau + Pferd) mit einer 1,3 bewertet zu sein und gestern für weitaus bessere Arbeiten  runtergestuft zu werden, gleicher Prof.

Den Schein für die 1,3 habe ich gestern ebenfalls erhalten, da dieser noch ausstand.

Im Vorfeld hatte ich mir einige Prüfungen von den Studenten, die vor mir geprüft wurde angeschaut. Alle haben notenmäßig deutlich besser abschnitten und für mich persönlich hingt da Teils einfach der Vergleich im Bezug auf meine Arbeiten.

Meine Reisen und der Aufwand wurde in keiner Weise angesprochen und auch schon in der Vorbereitung auf das Buch gab es keinerlei Hilfe auf die Bildauswahl etc. Lediglich der Satz “Warum fotografierst du überhaupt noch so viel du hast doch schon einige Bilder, die du nehmen kannst” war zu hören und “die Thesis ist mir viel wichtiger”.

Einer meine Profs. kam hinterher noch mit einem Post it auf dem die Note 1,7 stand und meinte „hier für die Nerven“ – wir ALLE dachten die Note für die Abschlussarbeit wäre hochgesetzt wurden und waren schon erleichtert.

Aber nichts da – als ich später im Prüfungsamt nachgefragt habe war das einfach nur die Gesamtnote vom Studium.

Auch nett.

Und ja die 1,7 ist super.

Aber es war für mich auch meine Familie gestern einfach ein bescheidenes Gefühl so Sätze zu meinem zum Abschluss zu hören: „Ach das hast du doch nach 10 Tagen eh wieder vergessen“ –  „Warum hast du überhaupt noch studiert?“  – „Sei doch froh bei dir ist doch alles toll du hast einen Job, dass haben die wenigstens hier“ – “Ich würde Dir für die Zukunft raten mal was neues zu machen nicht, dass Dein Thema bei den Kunden schnell durch ist. – Probiere doch z.B. mal in Dülmen die Wildpferde zu fotografieren” – Ich: Stimmt hat ja nie jemand gemacht wäre sehr neu. Ich war auch schon in Kirgistan und habe dort Menschen mit Ihren Pferden begleitet – hätte ich das jetzt besser als Thema nehmen sollen? “Ja das wäre doch was, aber es hätte auch gar nicht so weit weg sein müssen..” Naja und so ging es dann weiter.

Dabei geht’s mir in erster Linie auch nicht um die Note, sondern die Art.

Hätte man gestern nicht erst etwas positives sagen können bevor nur negatives kommt? Meine Profs. haben mich das halbe Jahr begleitet. Einige Anmerkungen waren  neu, diese hätte ich vor der Prüfung noch ändern können. Aber da kam nie was dazu.

Positives habe ich dann nach meiner Verteidigung gestern gar nicht mehr gehört. Denn die Sätze, die ich Euch beschrieben habe, sind für mich nicht ausschlaggebend. Selbstständig war ich auch schon vor dem Studium und so schnell vergessen ich einen Abschluss der mit keiner Freude von keiner Seite aus verbunden war mit Sicherheit auch nicht.

Da war das „Feier“ und man fühlt sich erleichtert Gefühl ganz schnell durch und es gab statt Glückwünschen Diskussionen, weil die Begründungen auch alle Anwesenden gestern ebenfalls nicht nachvollziehen konnten.

Den Abschluss des Tages habe ich bis spät in die Nacht mit meiner Familie verbacht. Gestern vor 2 Jahren ist mein Onkel verstorben und ebenfalls gestern hat sich ein weiteres Familienmitglied auf den Weg in den Himmel gemacht.

Die Nachricht kam kurz nach der Bekanntgabe meiner Note und auf einmal war eh alles unwichtig.Wir sind sofort los um auch den letzten Weg gemeinsam Hand in Hand gehen zu können

Vielleicht war mir deswegen schon das Ganze Wochenende bzw. die letzte Woche so schlecht und komisch, wer weiß.

Ich habe die Nacht durchgeweint (nicht wegen der Prüfung sondern unserem Verlust eines geliebten Menschen) sehe aus wie Häufchen Elend und sitze immer noch mit Laptop im Bett.

Ich raff mich jetzt mal auf und mach mich mit den Hunden auf in den Wald. Das tut mir persönlicher in so einer Zeit meist am besten.

Falls meinen Text  jemand ganz gelesen hat: Danke für’s zuhören. Mir war nicht mehr so nach sprechen gestern aber das „einfach mal runter schreiben“ tat jetzt gut.

aufbau

Ein kleiner Einblick für Euch. Bachelorprüfung 2015 “Frauen und Pferde.”

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